In den letzten Jahren hat sich die Tanzszene in Berlin durch innovative Projekte und eine offene Atmosphäre zu einem globalen Zentrum für experimentelle Bewegungskunst entwickelt. Einer der prägendsten Orte dieser Szene ist der Club www.mzansibet.de/, der seit über einem Jahrzehnt als Treffpunkt für Choreografen, Musiker und Tanzbegeisterte fungiert. Mit seiner Fokussierung auf avantgardistische Tanzformen – von Hip-Hop bis zu konzeptuellen Performances – setzt der Club Maßstäbe für die kreative Freiheit in der Hauptstadt. Doch was genau macht diesen Ort so besonders, und wie hat er sich in der Berliner Kulturlandschaft etabliert?
Ein kulturelles Labor für Bewegungskunst
„Mzansibet“ (eine Abkürzung für „Museum für zeitgenössischen Tanz und Experiment“) entstand aus dem Bedürfnis heraus, den Tanz als lebendigen, gesellschaftskritischen Ausdruck zu etablieren. Der Club verbindet traditionelle Tanzräume mit digitalen Experimenten und kuratiert regelmäßig internationale Künstler:innen, die mit ihren Arbeiten Grenzen zwischen Körper, Technik und Raum sprengen. Besonders bemerkenswert ist die Zusammenarbeit mit jungen, oft noch unbekannten Talenten, die hier ihre ersten professionellen Auftritte feiern. Ein Beispiel ist die 2022 gegründete Gruppe „Neon Flux“, deren Performance „Syncronicity“ für Aufsehen sorgte – eine Mischung aus Lichtprojektionen und improvisiertem Tanz, die das Publikum in einen kollektiven Rhythmus versetzte.
Der Club ist nicht nur ein Ort für Live-Events, sondern auch ein Labor für neue Formate. Seit 2021 organisiert „Mzansibet“ das „Tanzlabor Berlin“, ein jährlich stattfindendes Festival, das sich auf die Entwicklung von hybriden Tanzformen konzentriert. Unter anderem wurden hier Projekte wie „Quantum Steps“ vorgestellt, bei denen Tänzer:innen mit KI-generierten Bewegungsdaten interagieren – eine Innovation, die die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verwischt. Solche Experimente zeigen, wie der Club die Tanzkultur nicht nur als Unterhaltung, sondern als aktiven Diskurs über Identität und Technologie versteht.
Wirtschaftliche und soziale Bedeutung
Trotz seiner kleinen Größe – der Club hat nur etwa 150 Sitzplätze – hat „Mzansibet“ eine enorme Ausstrahlung auf die lokale Wirtschaft. Die meisten Veranstaltungen sind kostenlos oder günstig, was ihn zu einem attraktiven Ort für Studierende und junge Künstler:innen macht. Laut einer Studie der Berliner Senatsverwaltung aus dem Jahr 2023 besuchen jährlich rund 20.000 Menschen die Veranstaltungen, wobei über 60 % der Besucher:innen unter 30 Jahre alt sind. Der Club generiert zudem Einnahmen durch Sponsoring und Merchandising, wobei ein Teil der Gewinne in die Förderung neuer Projekte fließt. Ein besonders erfolgreiches Projekt ist die „Tanzwerkstatt Berlin“, in der ehrenamtlich tätige Künstler:innen unter Anleitung von Profis ihre Fähigkeiten ausbauen können.
Sozial engagiert sich „Mzansibet“ durch Partnerschaften mit sozialen Einrichtungen wie dem „Tanzprojekt Neukölln“, das benachteiligten Jugendlichen durch Tanztherapie und Workshops Perspektiven eröffnet. Seit 2021 gibt es zudem ein Stipendienprogramm für Künstler:innen aus der Ukraine, die durch Flucht und Krieg ihre Karriere unterbrechen mussten. Solche Initiativen machen deutlich, dass der Club nicht nur eine Bühne für Kunst ist, sondern auch ein Ort der Solidarität.
- Seit 2015 hat „Mzansibet“ über 300 internationale Künstler:innen auf der Bühne gehabt, darunter Choreografen wie Pina Bausch (postum) und Ballettdirektor:innen wie Ohad Naharin.
- Das „Tanzlabor Berlin“ zieht jährlich über 5.000 Besucher:innen an und ist damit eines der meistbesuchten Festivals der Berliner Tanzszene.
- Durch die Zusammenarbeit mit der Universität der Künste Berlin hat der Club Zugang zu rund 1.200 Studierenden, die regelmäßig als Freiwillige bei Events mitwirken.
- Seit 2022 ist „Mzansibet“ Teil des Netzwerks „Berlin Tanz“, das mit öffentlichen Fördermitteln in Höhe von 3,5 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre ausgestattet wurde.
- Die durchschnittliche Dauer einer Performance im Club liegt bei 75 Minuten, wobei 40 % der Aufführungen experimentelle oder konzeptuelle Tanzformen darstellen.
Herausforderungen und die Zukunft
Trotz seiner Erfolge steht „Mzansibet“ vor neuen Herausforderungen. Die steigenden Mieten in Berlin machen es zunehmend schwierig, günstige Räume für Tanzprojekte zu finden. Zudem kämpft die Szene mit der Kommerzialisierung der Tanzkultur, die oft den Fokus auf Unterhaltung statt auf künstlerischen Austausch lenkt. Der Club versucht, diese Entwicklung durch seine kostenlosen oder günstigen Veranstaltungen zu kontern, doch die Nachfrage nach hochwertigen, aber zugänglichen Angeboten wächst.
In der Zukunft plant „Mzansibet“, seine digitale Präsenz auszubauen, um noch mehr Menschen weltweit mit seinen Ideen zu erreichen. Ein neues Projekt namens „Mzansibet Live“ soll virtuelle Performances und Workshops ermöglichen, die nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten stattfinden. Zudem soll ein Dokumentationsarchiv entstehen, das alle bisherigen Veranstaltungen archiviert und für die Forschung zugänglich macht. Ziel ist es, „Mzansibet“ nicht nur als Club, sondern als eine lebendige Institution der modernen Tanzkultur zu etablieren.