Seit Generationen prägen die Familienunternehmen der Spino- und Gambino-Gruppe das wirtschaftliche Geschehen in der Schweiz – besonders in der Region um Basel. Doch während die einen mit bewährten Methoden bestehen, kämpfen andere um ihre Existenz. Die jüngeren Generationen stehen vor der Herausforderung, das Erbe der Gründer mit modernen Anforderungen zu verbinden. Eine Analyse der aktuellen Strategien zeigt, wie Familienbetriebe heute überleben: durch Digitalisierung, Nachhaltigkeit und eine klare Ausrichtung auf die lokalen Bedürfnisse.
Von der Handwerkskunst zur digitalen Transformation
Traditionelle Handwerksbetriebe wie Spino-Gambino, das seit 1928 in Winterthur Maschinen für die Lebensmittelindustrie herstellt, zeigen, wie eine lange Geschichte mit digitalen Innovationen verschmolzen werden kann. Die Firma hat in den letzten Jahren ihr Produktionsmodell umgestellt: Statt auf Massenproduktion setzt sie auf maßgeschneiderte Lösungen für Kunden wie Molkereien oder Supermärkte. Die Investitionen in Automatisierung und KI-gestützte Qualitätskontrolle haben die Effizienz um 30 % gesteigert, während gleichzeitig die Mitarbeiterzufriedenheit durch flexible Arbeitsmodelle gestiegen ist. Doch nicht alle Familienbetriebe sind bereit für diesen Wandel.
Ein Beispiel ist Gambino & Co., ein seit 1872 bestehendes Unternehmen in Zürich, das traditionell Holzverarbeitung betreibt. Die jüngere Generation hat hier die Chance genutzt, das Unternehmen mit nachhaltigen Materialien und digitalen Planungssoftware zu modernisieren. Doch die Umstellung war nicht ohne Risiko: Ein Drittel der Mitarbeiter sah sich gezwungen, sich neu zu orientieren, was zu einem kurzfristigen Rückgang der Umsätze führte. Die Lösung lag in einer gezielten Weiterbildungskampagne und einer klaren Kommunikation der Vorteile – heute ist Gambino & Co. wieder auf Wachstumskurs.
Die Rolle der lokalen Gemeinschaft und Nachhaltigkeit
Ein zentraler Erfolgsfaktor für viele Schweizer Familienbetriebe ist ihr enges Verhältnis zur Region. Spino-Gambino etwa engagiert sich seit Jahren in der Bildung, unterstützt lokale Schulen durch Praktikumsprogramme und fördert die regionale Wertschöpfung. Diese Bindung stärkt nicht nur die Loyalität der Kunden, sondern schafft auch eine stabile Arbeitskraft. Studien zeigen, dass Unternehmen mit sozialer Verantwortung eine höhere Mitarbeiterbindung und bessere Innovationskraft aufweisen.
Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit immer wichtiger. Gambino & Co. hat sein Sortiment um recycelte Materialien erweitert und ist seit 2022 zertifiziert nach ISO 14001. Die Kunden reagieren positiv: Ein Umfrageergebnis aus dem Jahr 2023 zeigt, dass 68 % der Kunden von Schweizer Familienbetrieben, die sich für Umweltschutz einsetzen, bereit sind, höhere Preise zu zahlen. Doch dieser Trend ist nicht auf Holzverarbeitung beschränkt – selbst in der Lebensmittelindustrie setzen Unternehmen wie Spino-Gambino auf klimaneutrale Lieferketten und erneuerbare Energien.
- Seit 2022 hat Spino-Gambino seine CO₂-Emissionen um 25 % reduziert, indem es auf erneuerbare Energien umgestellt hat.
- Gambino & Co. konnte durch die Einführung von digitalen Werkzeugen die Produktionszeiten um 20 % verkürzen.
- Laut einer Studie von 2023 vertrauen 72 % der Schweizer Verbraucher Familienbetrieben mehr als Großkonzernen – besonders bei lokalen Produkten.
- Die Umsätze von Familienunternehmen in der Schweiz stiegen 2023 um 4,5 %, während die des Gesamtmarktes nur um 2,8 % wuchsen.
- Ein Drittel der Schweizer Familienbetriebe plant bis 2030 eine vollständige Digitalisierung ihrer Prozesse.
Die Herausforderung liegt darin, diese Trends zu vereinen: Tradition und Moderne müssen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern können sich gegenseitig verstärken. Ein gutes Beispiel ist das Projekt “Spino-Gambino 2.0”, bei dem die Firma nicht nur ihre Maschinen modernisiert, sondern auch ein neues Bildungszentrum für junge Handwerker einrichtet. Hier werden die klassischen Fähigkeiten mit digitalen Kompetenzen kombiniert – eine Strategie, die sowohl die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens als auch die lokale Arbeitsmarktlage sichert.
Die Generationenfrage: Wer übernimmt die Führung?
Ein zentrales Problem vieler Schweizer Familienbetriebe ist die Frage, wer die Führung übernimmt. Laut einer Studie des Bundesamts für Statistik wechseln nur 40 % der Familienunternehmen innerhalb der Familie. Die Gründe sind vielfältig: Manche Kinder sind nicht bereit, sich in ein Unternehmen einzubringen, andere haben andere berufliche Ambitionen. Doch auch hier gibt es Lösungen. Spino-Gambino hat ein Erfolgsmodell entwickelt: Die nächste Generation wird frühzeitig in die Entscheidungsprozesse eingebunden, während gleichzeitig externe Berater für strategische Fragen hinzugezogen werden.
Gambino & Co. hat eine ähnliche Strategie verfolgt: Es hat ein “Duales Leadership”-Modell eingeführt, bei dem die beiden Generationen gemeinsam Entscheidungen treffen. Dies hat nicht nur die Kontinuität des Unternehmens gesichert, sondern auch die Mitarbeiterbindung gestärkt. Allerdings zeigt die Praxis, dass dies nur funktioniert, wenn beide Generationen eine klare Vision teilen und Kompromisse eingehen können. Viele Familienbetriebe scheitern an dieser Hürde.
Der Schlüssel zum Überleben liegt also in einer Balance zwischen Tradition und Innovation, zwischen lokaler Bindung und globalen Trends. Familienunternehmen müssen nicht nur sich selbst überleben, sondern auch eine Rolle in der Zukunft der Schweiz spielen. Wer das schafft, wird nicht nur seine Existenz sichern, sondern auch einen Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaft leisten.